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Die Silbermannorgel der Petrikirche in der Musikkultur der Stadt Freiberg

Ein Vortrag von Kantor Andreas Hain anlässlich des „Wissenschaftlichen Symposiums über die Rekonstruktion der Silbermannorgel in der Petrikirche Freiberg“ am 17. September 2005


1. Einführung

In meinem Vortrag möchte ich die Rolle der Silbermannorgel der Petrikirche im Musikleben der Stadt Freiberg etwas näher beleuchten. Ich muss an dieser Stelle gleich vorwegnehmen, dass es aus den vergangenen 270 Jahren verhältnismäßig wenig Dokumente gibt, die eine klare Aussage über die Bedeutung dieser Orgel im Ensemble der Freiberger Kultur abgeben. So wird der Schwerpunkt meiner Ausführungen in der visonären Darstellung einer möglichen zukünftigen Rolle der Orgel im Musikleben unserer Stadt liegen. Dennoch soll zu Beginn ein kleiner geschichtlicher Abriss gleichsam den Boden bereiten für alle Gedanken, die ich zur Gegenwart und Zukunft dieses schönen Instrumentes äußern möchte.


2. Die Geschichte der Kirchenmusik und Orgel in der Freiberger Petrikirche

Zu Beginn der Freiberger Stadtgeschichte hatte die Petrikirche zeitweilig eine führende Stellung inne, was unter anderem daraus hervorgeht, dass 1218 der Pfarrer der Petrikirche als Archipresbyter, also als Vorgesetzter der Freiberger Geistlichkeit bezeugt wird. Diese vorderste Stellung verlor Petri aber schon sehr bald an die Marienkirche und teilweise sogar aus in gewissem Sinne kirchenmusikalischen Gründen: Die Marienkirche hatte eine Schule in ihrer Trägerschaft und damit auch eine reiche Musikpflege sowie im liturgischen Gesang geübte Schüler, die eine viel prächtigere Gottesdienstgestaltung erlaubten, als sie in den anderen Kirchen möglich war. Spätestens mit der Erhebung der Marienkirche zum Dom im Jahre 1480 ist eine klare Hierarchie unter den Kirchen der Stadt besiegelt, die den Dom an erster und die Petrikirche an zweiter Stelle einordnet. Die bedeutendste kirchenmusikalische Stelle war immer das Stadt- bzw. Domkantorat gewesen. Der Schwerpunkt der Arbeit der Freiberger Kantoren lag in der Ausbildung der Scholaren und die klanglichen Ergebnisse waren in den Gottesdiensten des Domes zu hören. Allerdings erschien vom 16. 19. Jahrhundert auf der Einkommensliste der Kantoren ein sogenanntes „Figuriergeld“, welches für musikalische Aufführungen in Petri, Nikolai und Jakobi als eine Art Jahrespauschale gezahlt wurde. Da dieser Posten nur ca. 10% des Gesamteinkommens des Kantors ausmachte, lässt sich die untergeordnete Rolle dieser Arbeit leicht ersehen. Jedoch hatte jede Kirche zumindest in der nachreformatorischen Zeit einen eigenen Organisten. Auch in der Bewerbungssituation auf diese Stellen lässt sich die oben erwähnte Hierarchie wiedererkennen. Öfters bewarben sich ehemalige Nikolai- oder Jakobiorganisten in Petri, oder Petriorganisten strebten das Domkantorat an. Der bisher bedeutendste Organist der Petrikirche war zweifellos Andreas Hammerschmidt, der hier ca. 100 Jahre vor dem Bau der Silbermannorgel amtierte.

Am 31. Oktober 1735 wurde die Silbermannorgel der Petrikirche in einem feierlichen Gottesdienst geweiht. Silbermann war auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt. Nahezu gleichzeitig hatte er die Aufträge für die bürgerlichen Kirchen seiner Heimatstadt und seiner Landeshauptstadt erhalten. Im vollen Bewusstsein seiner handwerklichen und künstlerischen Souveränität entwirft er für die beiden Instrumente der Freiberger Petrikirche und der Dresdner Frauenkirche ein neues klangliches Konzept, welches ohne Verrenkungen und ohne Diskontinuität zu seiner bisherigen Arbeit dem spätbarocken Ideal Rechnung trägt. Die Weihepredigt des damaligen Superintendenten Wilisch scheint ein schmerzlicher Dämpfer in dieser Sternstunde der Orgelbaukunst zu sein. Er lobt Silbermanns Arbeit zwar aufs Höchste, will aber zugleich die Kunst des Orgelspielens möglichst auf eine erbauliche Begleitung der Choräle beschränkt wissen. Positiv formuliert könnte man daraus schließen, dass die Orgel von Anfang an so viel Spiellust und Improvisationsfreude zu wecken wusste, dass ein pietistisch gesinnter Superintendent sich genötigt sah, die Organisten von vornherein in die Schranken zu weisen.

In den nunmehr 270 Jahren, die diesem Weihetag bis heute folgten, führte die Orgel, zumindest nach Aktenlage, ein eher unspektakuläres Leben. So gibt es auch keine Berichte von Besuchen oder gar Konzerten bedeutender Organisten des 18. und 19. Jahrhunderts. Und bereits ab 1761 war das Petri-Organistenamt keine hauptamtliche Stelle mehr. Es wurde meist von Lehrern der verschiedenen Schulen der Stadt im Nebenamt begleitet. Vom Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es in den Akten des Petriarchivs einige Hinweise darauf, dass das Instrument hoch geschätzt und mit Ehrfurcht behandelt wurde. So wird in einer Dienstanweisung von 1914 der Organist dazu angehalten, nur versierte Gastorganisten und auch die nur nach Rücksprache mit dem Pfarrer oder Kirchenvorstand an das Instrument zu lassen. In einer Konzertkritik zu einem festlichen Konzert anlässlich der 200-Jahr-Feier der Orgel im Oktober 1935 nimmt der Autor Bezug auf die oben bereits erwähnte Weihepredigt des Superintendenten Wilisch und bemerkt, die Zeiten seien zum Glück andere geworden und die Orgel und Orgelmusik könne sich nun in ihrem ganzen Reichtum entfalten.

Nach der Zusammenlegung der Petri- und der Nikolaigemeinde und dem Schrumpfen der Gemeindegliederzahlen und finanziellen Möglichkeiten in der Zeit der DDR war man zu grundlegenden Neuüberlegungen bei der Nutzung aller kirchlichen Immobilien gezwungen. So entstand die Idee, bei Verzicht auf alle anderen Gebäude sich auf die Neugestaltung der Petrikirche zu konzentrieren und mit ihrem Umbau zum Gemeindezentrum allen gemeindlichen Erfordernissen Rechnung zu tragen. Die zeitweilige Überlegung, nur den bereits durch die Glaswand abgetrennten Chorraum als Gottesdienstraum zu nutzen, und aus Geldmangel die Arbeiten im Hauptschiff bis zum Jahr 2000 (ein für die Zeit um 1970 wahrhaft transhistorischer Zeitpunkt) auszusetzen, zeigt deutlich, wie wenig das Vorhandensein dieser bedeutenden Orgel auf die Zwänge der Gemeinde Einfluss nehmen konnte. Zum Glück wurden durch das große Engagement der Gemeinde und ihrer Pfarrer und Mitarbeiter die Arbeiten eher fortgeführt und mit dem fertiggestellten Kirchenraum rückte auch die Orgel wieder mehr ins allgemeine Interesse. Mit der Teilrestaurierung der Orgel durch die Firma Jehmlich in den Jahren 1993/1994 beginnt eigentlich die Gegenwart und Zukunft dieser Orgel, zu der ich mich gleich eingehend äußern möchte. Zuvor sei mir aber noch eine kleine Zusammenfassung und Ergänzung zum bereits Gesagten erlaubt.

Die bisher von mir angeführten Beobachtungen zur Geschichte der Orgel scheinen insgesamt nicht dazu geeignet zu sein, die besondere Bedeutung des Instrumentes herauszustellen. So möchte ich zwei Aspekte anfügen, die das Gesamtbild korrigieren sollen.
Zum Einen sagt das Fehlen größerer dokumentierter Ereignisse nichts über die Qualität der Orgel und auch nichts über die Qualität der an dieser Orgel geleisteten Arbeit aus. Sie war ein wesentliches Gestaltungselement der Gottesdienste in der Petrikirche über 270 Jahre hinweg. Die Gottesdienste waren zumindest bis zum zweiten Weltkrieg viel bedeutendere gesellschaftliche Ereignisse als das heute der Fall sein mag. Das heißt, viele Generationen von Menschen wurden von Kindesbeinen an Sonntag für Sonntag in ihrer Klangästhetik von dieser Orgel beeinflusst und geprägt. Warum sollte diese kontinuierliche musikalische Erziehungsarbeit weniger bedeutend sein als verstreut stattfindende, aber gut rezensierte Konzertevents.
Zum Anderen kann man ohne Bedenken die öffentliche Anerkennung anderer zeitnah entstandener Werke des Orgelbaumeisters auch auf dieses Instrument übertragen. Denn nicht die Unterscheidung in der Qualität brachte anderen Orgeln mehr berühmte Besucher, sondern allein der Ort ihrer Aufstellung. So hat Johann Sebastian Bach bereits eine Woche nach der Einweihung der Dresdner Frauenkirchenorgel dort ein zweistündiges Konzert vor einer prominenten Zuhörerschaft gegeben. Die mit der Petriorgel gut vergleichbare Orgel der Greizer Stadtkirche von 1739 hat unter anderem bei Johann Ludwig Krebs besonders wohlwollende Aufmerksamkeit gefunden.
All das dürfen wir in unsere Überlegungen mit einbeziehen, wenn es in den nächsten Jahren darum gehen wird, eine wirkungsvolle Konzeption für die Pflege der Orgelmusik in der Petrikirche und in der Silbermannstadt Freiberg zu entwickeln.


3. Die Teilrestaurierung von 1993/94 und ihre Folgen für die Bedeutung der Orgel

Die in den Jahren 1993/94 vorgenommene Teilrestaurierung hat zumindest der Fachwelt die Augen für dieses so wichtige Instrument wieder geöffnet. Ca. 20 CD-Aufnahmen renommierter Interpreten aus dem In- und Ausland innerhalb von zehn Jahren zeugen davon, dass man sich der Qualität und der herausgehobenen Stellung des Instruments im Schaffen Silbermanns in Kreisen von Organisten und Musikwissenschaftlern wohl bewusst ist. Veranstalter von Orgelreisen, Orgelprofessoren mit Studentengruppen sowie einzelne Organisten oder Orgelinteressierte aus ganz Europa, Asien und den USA fragen immer häufiger nach Orgelführungen bzw. Gelegenheiten zu Seminaren. Weniger beachtet wird die Orgel nach wie vor von Freibergs Einwohnern. Im Schatten der zu recht gut angenommenen Abendmusiken im Freiberger Dom ist es sehr schwer, die Petrikirche für ein reines Orgelkonzert zu füllen. Der Versuch, solche Konzerte durch Hinzuziehung anderer Instrumente oder durch außergewöhnliche Programme attraktiver zu machen, gelingt zwar teilweise, wird aber der Stellung des Instrumentes eigentlich nicht gerecht, da der Besucher oft in seiner vorgefertigten Meinung bestätigt wird, man müsste die angebliche Zweitrangigkeit dieses Instrumentes in der Freiberger Orgellandschaft eben auf extravagante Art ausgleichen.

Eine weitere wichtige Komponente für die Annahme oder Nichtannahme der Orgel ist die aktuelle Gestaltung des Kirchenraumes, in dem sich die Orgel befindet. Über die akustische Seite wird hier später noch ausführlich gesprochen werden, deshalb soll es mir jetzt nur um raumästhetische Belange gehen.
Wer die Petrikirche betritt, empfindet oft eine tiefe Kluft zwischen der von Friedrich Press gewählten Raumgestaltung und den noch vorhandenen barocken Objekten wie Kanzel, Taufstein oder Orgel. Man darf hier zunächst nicht vergessen, dass die ursprüngliche stilistische Einheit der Kirche schon im 19. Jahrhundert von Quentin zerstört worden war. Aber die stilistische Vielfalt eines Gebäudes muss nicht als Mangel betrachtet werden, lebendige Bauten haben sich seit jeher mit den Bedürfnissen der Zeit gewandelt. Wie die täglichen Erfahrungen zeigen, ist das derzeitige Raumkonzept und die Gestaltung der Kirche für das Gemeindeleben von großem Nutzen. Das Gebäude ist die ganze Woche über erfüllt von Gesang, Kinderlachen, Gesprächen. Begegnungen und natürlich auch Orgelklängen. Und eben auch für die Entwicklung der Orgelkultur bietet die Friedrich-Press-Kirche einmalige Möglichkeiten. Fernab von jedem musealen Flair kann sich die Orgel hier als immer noch aktueller Klangkörper in modernem Umfeld behaupten. Die ganzjährig wohltemperierte Kirche bietet mit der nahen Gemeindeküche ein angenehmes Ambiente für Tagungen, Workshops und ungewöhnliche Konzertformen. Der als Ausstellungshalle genutzte Chorraum bietet gewollte oder zufällige Begegnungsmöglichkeiten zwischen Musik und bildender Kunst. Eine Silbermannorgel außerhalb kalter Gebirgskirchen wirkt sicher etwas verfremdet, eröffnet aber verlockende Perspektiven. Einige dieser Perspektiven möchte ich nun im Folgenden aufzeigen, und zwar geordnet nach Zielgruppen, etwa so, wie ich sie schon eingangs genannt hatte.

Erstens: Die Orgel als Instrument für die Gemeinde
Die vornehmste Aufgabe für die Orgel bleibt ohne Zweifel der Einsatz in den Gottesdiensten der Kirchgemeinde. Hierfür wurde sie einst von Gottfried Silbermann gebaut und in den Gemeindegliedern findet sie ihre kontinuierlichste Zuhörerschaft. Integriert in den liturgischen Dienst begleitet und prägt sie Menschen von ihrer Taufe an bis ins hohe Alter. Es gibt wohl kaum eine intensivere Möglichkeit für ein Instrument, sich über Jahrzehnte hinweg so ausgiebig einem bestimmten Personenkreis mitteilen zu können.
Die Möglichkeiten des Einsatzes der Orgel im liturgischen Gebrauch sind noch längst nicht erschöpft. Denkbar wären z. B. musikalische Kurzgottesdienste in der Woche, die evtl. nur 20 Minuten dauern würden und aus zweimal sieben Minuten Orgelmusik und einer sechsminütigen Predigt oder Meditation bestehen könnten – als Besinnungsmöglichkeit für die Freiberger nach der Arbeit oder auch als geistlich/musikalisches Angebot für Besucher der Stadt. Auch im „normalen“ Sonntags-Gottesdienstplan wären einige Sondergestaltungen möglich – etwa ausgeprochene Improvisationsgottesdienste oder Gottesdienste, die sich konzeptionell auf bestimmte Orgelliteratur beziehen.

Zweitens: Die Orgel als erstklassiges Konzertinstrument
Natürlich müssen reine Orgelkonzerte einen festen Platz in der Jahresgestaltung der Petrikirche besitzen. Hier ist eine noch engere Zusammenarbeit mit dem Domkantor und der Silbermanngesellschaft unbedingt erforderlich. Wünschenswert und der Bedeutung des Instrumentes angemessen wäre eine gleichberechtigte Einbeziehung der Petriorgel in die Freiberger Abendmusiken sowie bei Veranstaltungen der ECHO-Vereinigung. Da die Petri-Nikolaigemeinde schon wegen ihrer besonderen Stellenstruktur auf absehbare Zeit keinen Organisten von internationalem Rang beschäftigen wird, muss hier besonders sensibel um eine vollwertige Einbindung der Petriorgel in die hiesige Konzertlandschaft gerungen werden. Auch ein besonderer Konzertansatz mit vielleicht ein oder zwei Veranstaltungen pro Jahr, der allein für die Petrikirche typisch bleibt, wäre wünschenswert. So könnte jeweils ein Gastland gewählt werden, aus dem ein Organist zu einem Konzert eingeladen wird. Eine entsprechende Ausstellung im Chorraum der Kirche und landestypische kulinarische Angebote der umliegenden Gastronomien könnten dieses Angebot dann ergänzen (Schlagwort: slowenische Woche in der Petrikirche).

Drittens: Die Orgel als Lehrinstrument
Den Anfragen von Orgelprofessoren und ihren Studentengruppen nach Probier- und Studienmöglichkeiten sollte verstärkt Rechnung getragen werden. Zusätzlich könnte man zwei von Freiberg aus organisierte Seminare pro Jahr mit bekannten Referenten anbieten (ein Interpretationskurs und ein Improvisationskurs), so dass auch interessierte Einzelpersonen einen kanalisierten Zugang zum Wesen Silbermannscher Spielkultur finden würden.

Viertens: Die Orgel als touristischer Anziehungspunkt
Die Anzahl von Orgel- und Kulturreiseveranstaltern, die die Petrikirche in ihre Reiseprogramme einbinden, ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Man könnte das hier vorhandene Interessenpotential sicher schneller und gezielter nutzen, wenn es in der Stadt selbst einen entsprechenden Reiseveranstalter gäbe. Wenn es unter Einbeziehung aller städtischer Attraktionen gelänge, mehr Touristengruppen zu wenigstens einer Übernachtung in Freiberg zu bewegen, könnte man auch die Angebotspalette an Führungen und Konzerten erweitern. Schließlich möchte wohl jeder Urlauber in der Stadt, in der er übernachtet, am Abend noch etwas Besonderes erleben. Als zusätzliche Besucherattraktion könnte der nach der Restaurierung original wiederhergestellte Balgraum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und vielleicht bildet sogar die zu findende Lösung für die Raumakustik einen Anziehungspunkt für technisch Interessierte.

Fünftens: Die Orgel als musikdidaktisches Hilfsmittel
Wenn die Begegnung mit unseren Orgeln für den Touristen auch ein seltenes Erlebnis bleibt, so sollten doch die Kinder und Jugendlichen unserer Stadt und der Umgebung diesen klangästhetischen Schatz immer wieder aufs Neue erfahren dürfen. Thematische Orgelführungen für Kindergartengruppen und Schulklassen sowie ganze Unterrichtseinheiten zu verschiedenen Inhalten des Musikunterrichts in allen Altersstufen können den Alltag in unseren Kirchen sehr positiv prägen. Eine besonders innige Beziehung zu „ihrer“ Orgel sollte den Kurrendekindern vorbehalten bleiben, die sich zudem als geübte Bälgetreter noch ein paar Cent hinzuverdienen dürften.

Sechtens: Die Orgel als klangvoller Begleiter gesellschaftlicher Ereignisse
Bei fast allen bisher genannten Punkten steht die Orgel mehr oder weniger selbst im Mittelpunkt des Geschehens. Eine wichtige Funktion kann die Orgel aber auch bei der Begleitung gesellschaftlicher Ereignisse erfüllen. Zum besseren Verständnis dieses Anliegens möchte ich zwei Beispiele anfügen. So fanden die Fürbittgottesdienste zur politischen Wende im Jahr 1989 in der Petrikirche statt. Bis zu 1000 Personen drängten sich in diesen Stunden der Besinnung im völlig überfüllten Kirchenraum zusammen. Die Orgel hatte bei diesen Veranstaltungen keine vordergründigen Aufgaben. Und doch erklang ihre warme und beruhigende Stimme und lud zum Nachdenken und Weiterdenken ein.
Im Jahr 2003 spielte der Cardiologe Prof. Hans-Joachim Trappe eine CD auf den Orgeln des Domes und der Petrikirche ein, deren Erlös der Deutschen Herzstiftung zugute kam. Auch hier waren die Orgeln nur Mittel zu einem außermusikalischen Zweck und dennoch kann man sich kaum eine edlere Aufgabe für diese Instrumente denken.


Die Liste der Möglichkeiten zum Einsatz dieses herrlichen Instrumentes im Musikleben der Stadt Freiberg ließe sich natürlich noch fortsetzen. An dieser Stelle möchte ich jedoch meine Ausführungen beenden.

Vielen Dank

Kantor und Organist Andreas Hain
17. September 2005

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